Bittere Ernte

Den Beitrag von 2013 empfehle ich immer wieder in Workshops, dort, wo wir auf das Thema Anbaubedingungen und Billigkaffee kommen. Man läuft natürlich als Coach immer Gefahr allzu missionarisch zu werden. Aber unser Geiz am Supermarktregal und die mangelnde Fähigkeit, ein gutes landwirtschaftliches (und später handwerklich geröstetes) Produkt von einem minderwertigen zu unterscheiden, drückt sich in die gesamte Produktionskette von Kaffee. Das führt zu entsprechenden Anbaubedingungen… Lasst uns Spaß haben am Kaffeegenuss und gute Preise für gute Produkte bezahlen!

Neue Arabica-Varietät mit über 90 COE-Punkten

Roya-Befall

Seit 2012 wütet in Mittelamerika ein Pilzbefall (coffee leaf rust, span. roya del cafeto) der Arabica-Pflanzen. Das hat z.B. 2014 zu einen Ernteausfall von ca. 60% in El Salvador geführt. Auch im vorigen Jahr haben wir noch Farmen in Guatemala besucht, die mit schweren Ausfällen zu kämpfen hatten. Manche größere Farmen haben mit Fungiziden gearbeitet, andere (80% der Farmer sind Kleinbauern, die sich keine Mittel zur Bekämpfung der Plage leisten können), haben resistente Pflanzen angebaut, die ein weniger gutes Tassenprofil ergaben. Wieder andere haben ganz resigniert oder sich den kommerziellen Saatguterzeugern von Monsanto und Syngenta in die Arme geworfen.

Vor dem Hintergrund kommt eine sehr gute Nachricht aus Nicaragua: „A coffee variety called Centroamericano, part of a new class of F1 hybrid varieties, has proven its quality potential by earning a score of 90 out of 100 points in the world’s leading competition and award for high quality coffees, the Cup of Excellence®, in Nicaragua. (…) The tasters described the coffee as balanced with complex fruit flavors and aromas including cinnamon, peach, cherry, raspberry, stone fruit, rum chocolate, hazelnut, raisin, fig, pineapple, peach, and lime.“

Farmtalk El Salvador

Das Besondere an der neuen Varität ist nun nicht die hohe Punktzahl in der Verkostung, sondern die Kombination mit ihrer Resistenz gegenüber dem Roya: „The 90-point score for Mr. Moreno’s Centroamericano is especially notable because the variety is resistant to a fungal disease called coffee leaf rust (…) It is also extremely high yielding. In breeding evaluations, it showed production increases of 22–47% over the standard varieties in the region.“ Meist müssen sich Farmer bei Neupflanzungen entscheiden zwischen Ertrag, Resistenz und schlechten Verkostungswerten oder Anfälligkeiten der Pflanzen, einer guten Tasse und niedrigerem Ertrag. Darum ist das eine sehr gute Nachricht für alle Kaffeeproduzenten in Mittelamerika:

“We couldn’t be more thrilled about this,” says Tim Schilling, CEO of World Coffee Research. “It validates our instinct that F1 hybrids are absolutely essential for the future of coffee. F1 hybrids can combine traits that matter most to farmers—higher yields and disease resistance—with the trait that matters most to consumers—taste. That has always been a tradeoff in the past. Coffee just took a huge leap into the future.”

Quelle: World Coffee Research

Kleinbauer in El Salvador

Die Specialty Coffee Association of America (SCAA) und die Speciality Coffee Association of Europe (SCAE) haben nach einer Mitgliederabstimmung in 2016 den Zusammenschluß ihrer Organisation in 2017 beschlossen: Specialty Coffee Association (SCA).

„The Specialty Coffee Association (SCA) is a membership-based association built on foundations of openness, inclusivity, and the power of shared knowledge. From coffee farmers to baristas and roasters, our membership spans the globe, encompassing every element of the coffee value chain. SCA acts as a unifying force within the specialty coffee industry and works to make coffee better by raising standards worldwide through a collaborative and progressive approach. Dedicated to building an industry that is fair, sustainable, and nurturing for all, SCA draws on years of insights and inspiration from the specialty coffee community.“

Die Website und das Logo sind bereits angepasst. Alle Auswirkungen auf Ausbildungssystem und Coffee Diploma, alle organisatorischen Folgen, werden in den nächsten Monaten kommuniziert.

Neue Kurse: SCAE-Brewing

Ab April bieten wir das Modul Brewing aus dem Coffee Diploma System der SCAE in der Bonner Kaffeeschule an. Damit decken wir neben den Barista skills den kompletten Bereich der Zubereitung des europaweiten Ausbildungssystems der Speciality Coffee Association of Europe ab. Inhaltlich geht es um eine Vielzahl von verschiedenen Brühmöglichkeiten, Extraktionstehorie und Brühparaxis:

  • Auswirkungen von Brühmethoden und Filtermedien,
  • Einfluß von Mühlenqualität, Mahlgrad und unterschiedlicher Partikelgrößen (samt ihrer Analyse) im Mahlgut
  • Wasser-Temperatur und Wasserqualitäten
  • Auswirkungen verschiedener Röststufen uvm.

Alle Mehr Infos unter: Filterkaffee strikes back – SCAE-Brewing

„Producing a well made coffee and pulling a good shot is one thing but doing this consistently under pressure and while being friendly and communicative is a totally different discipline.“

Ralf Berlit (NO FIRE NO GLORY, Berlin) via Euopena Coffeetrip