Kaffee & Preis

Im Bereich der Spezialitätenkaffees ist allen Beteiligten klar, dass man für ein gutes Produkt auch einen guten Preis zahlt. Industriekaffee dagegen muss möglichst billig sein. Das schmeckt man. Trotzdem ist industriell produzierter Kaffee markbeherschend.

dm-Gründer Prof. Götz W. Werner hat zu dem Thema ein Plädoyer für Wertschätzung von Produkten und angemessenen Preisen im Alverde-Magazin (Juni 2014) veröffentlicht. Produkte und Dienstleistungen sind meist viel mehr, als wir denken – nämlich Ressource, Idee und Lebenszeit anderer Menschen:

„Wenn Sie etwas bezahlen, dann bezahlen Sie immer die Lebenszeit Ihrer Mitmenschen. Weil jedes Produkt, das Sie in Anspruch nehmen, aus drei Dingen besteht. z.B. Kaffee: Der besteht erstens aus der natürlichen RESSOURCE, zweitens aus der IDEE, aus Kaffee ein Genussgetränk zu machen, und drittens aus der LEBENSZEIT, die viele beteiligte Menschen eingebracht haben, damit wir eine Tasse Kaffee trinken können.

Für die natürlichen Ressourcen schickt uns kein himmlischer Buchhalter eine Rechnung, der Geist, der die Kaffee-Idee hatte, ist unbezahlbar. Was Sie lediglich bezahlen müssen, ist die Lebenszeit. Wen Sie also derzeit bei Aldi für 3 Euro ein Paket Kaffee kaufen können, dann beinhaltet dieses Päckchen Kaffee die Summe der vielen Einkommen, von den Arbeitern auf der Kaffeeplantage in Ecuador bis zur Dame an der Kasse. Es sind die Einkommen all der Menschen, die an diesem komplexen, arbeitsteiligen, weltumspannenden Wertschöpfungsprozess beteiligt waren.

Jeder Preis löst sich in Einkommen auf, das gilt nicht nur für den unglaublich günstigen 3-Euro-Kaffee, das gilt genauso für die unglaublich teure Kroko-Tasche von Hèrmes, die ab 16.500 Euro erhältlich ist. …

Wenn man die Preise als Wertschätzung für die eingesetzte Lebenszeit der jeweiligen Einkommensempfänger begreift, dann wird die Sache verbindlicher – und auch moralischer. Dann können unangemessen niedrige Preise ebenso unmoralisch sein wie unangemessen hohe Preise.“

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